The Art of Gottfried Helnwein and the Comic Culture
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COMIC    HELNWEIN    COMIC    HELNWEIN
Berliner Zeitung
11.03.1996
Axel Zawierucha


Mit der Berliner Zeitung zur Ente in die Zitadelle

Der Künstler und bekennende Erpelfan Gottfried Helnwein führte Spandauer durch Donald-Duck-Ausstellung

Seine Liebe zum Entenzeichnen entdeckte er schon als Schüler. Heimlich zeichnete er in der Schule immer wieder die Comic-Figuren. Heimlich auch deshalb, weil damals die kleinen Comic-Heftchen als Schundliteratur galten und entsprechend unbeliebt waren. Sein großes Vorbild war damals der berühmteste Zeichner der Disneywerkstatt und Erfinder von Dagobert Duck, Gustav Gans, Daniel Düsentrieb und den Panzerknackern - der Cartoonist Carl Barks.

Die Berliner Zeitung hatte in einer Verlosungsaktion 75 Freikarten ihren Spandauer Abonnenten für eine Führung durch die Ausstellung "Die Ente ist Mensch geworden", und ein anschließendes Jazzkonzert zur Verfügung gestellt. Die Gewinner waren am Freitagabend in die Zitadelle Spandau geladen worden.

Der österreichische Zeichner Helnwein unterhielt die Donaldisten mit hübschen Anekdoten über seine ganz persönlichen Beziehung zur berühmtesten Ente der Welt.  "Die Vorstellung, wie Dagobert Duck in Geld schwimmen zu können, hat mich fasziniert", so Helnwein, "Damals in der Zeit der Besatzung durch den Iwan, träumte ich von der Figur des reichen Onkels".

Helnweins heutiger Traum: Er möchte der Ausstellung, die von ihm und dem Berliner Comicexperten Carsten Laqua konzipiert und zusammengetragen wurde, ein permanentes Zuhause geben. "Die Exponate sind schon vorhanden, das Konzept für das Museum steht, wir haben auch schon im Prenzlauer Berg geeignete Räumlichkeiten gefunden, doch es scheitert zur Zeit noch an den fehlenden Sponsoren für den Kauf der Immobilie".

Das Interesse der Berliner an der Ausstellung ist groß. Mittlerweile haben fast 10 000  Besucher ihren Weg in die Spandauer Zitadelle gefunden.

So vielgestaltig wie der Abonnentenstamm der Spandau-Rundschau war Freitag abend das Ausstellungspublikum: Auf der Zitadelle tummelten sich Donaldisten der ersten Stunden neben jungen Comicfans.

Der 73jährige Spandauer Rentner Klaus-Günter Stutz war einer der ältesten Gewinner der Verlosungsaktion. Er lebt seit 55 Jahren in Spandau, ist Trickfilmfan und selbst Zeichner: "Ich habe als ehemaliger Kinovorführer viele Trickfilme gesehen, da haben mich die Geschichte und die Herstellung von Donald-Duck-Filmen sehr interessiert". Als Mitglied der Spandauer Heimatforschergruppe "Spurensucher" freut es ihn besonders, daß gerade in der traditionsreichen Spandauer Zitadelle dem Entenhausener Comicstar ein Nest gebaut wurde.

Der jüngste Gewinner der Verlosungsaktion der Berliner Zeitung war der 19jährige Kladower und Politologiestudent Attila Radnai. "Ich habe mich sehr gefreut, die beiden Karten für die Ausstellung zu erhalten. Ein nettes Dankeschön der Berliner Zeitung an seine Abonnenten."

Aber auch Kritik zum Ablauf der Verlosungsaktion wurde laut. Wegen verspäteter Zustellung der Post hatten etliche Spandauer den Aufruf zu spät erhalten und somit keine Chance, die begehrten Freikarten zu erhalten. Krönender Abschluß des gelungenen Abends war ein Konzert im Gotischen Saal der Zitadelle. Bei Kerzenschein begeisterte Anette Herrmann, Schwedens bekannteste Jazzsängerin, das Publikum mit Jazzklassikern. +++