Der Tagesspiegel
09.02.96
Andreas Austilat

Die Ente ist Mensch geworden
Eine Ausstellung ehrt Donald Duck und seinen Zeichner

Berlin.  Der Mann war Perfektionist. Das hielt ihn zwar sehr auf, aber er konnte nun einmal nicht anders. Und darum malte er nicht einfach nur eine Ente im Matrosenanzug, er schuf einen Charakter, der litt, schimpfte, immer wieder eins aufs Dach bekam und trotzdem nicht unterzukriegen war.  Und als ob das nicht genügte, gab es auch immer noch ein paar Zugaben, den Goldfisch zum Beispiel, der im Hintergrund mit Brille und Schnorchel auf Tauchstation ging oder die Vögel, die sich umarmten. Für die Geschichte spielte das meist keine Rolle, der Mann bekam genauso 12 Dollar 50 für die Fertige Seite, wie alle anderen Zeichner. Aber es war eben nett anzuschauen. Und irgendwann merkten die Freunde jener Ente, daß da einer besser war als die anderen. Weil aber niemand seinen Namen kannte, hieß er nur “der gute Zeichner”.

14 Jahre dauerte es, erst 1959 wurde der Gute als Carl Barks enttarnt. Und der hat Donald Duck zwar nicht erfunden, aber das ganze Ducksche Universum geschaffen: Tick, Trick und Track, Onkel Dagobert, die Panzerknacker und Daniel Düsentrieb.

Heute ist Barks 95 und längst im Ruhestand, seine Freunde haben ihn trotzdem nicht vergessen. Zwei von ihnen, das inzwischen auch schon ein bißchen in die Jahre gekommene enfant terrible des Kunstbetriebs Gottfried Helnwein und der Berliner Comic-Kenner Carsten Laqua, haben eine große Donald-Duck-Ausstellung arangiert, die nach sechs deutschen Stationen nun in Berlin gezeigt wird.
Ausdrücklich will Helnwein damit nicht nur den Trost seiner frühsten Jahre, sondern auch einen großen Künstler ehren, denn “wenn später eine bildende Kunst spezifisch für unser Jahrhundert sein wird, dann der Comic”. Und Barks sei nun einmal ein großer Könner, in seiner Ente drückt er mit sparsamstem Strich alle menschlichen Emotionen aus. Menschlich? Jawohl. Weshalb die Ausstellung auch “Die Ente ist Mensch geworden” heißt.

Seltene Originale werden gezeigt, darunter von Carl Barks getuschte Seitenvorlagen, wie sie vor 30 Jahren zu Tausenden weggeworfen wurden. Weshalb der Liebhaber für solch eine Seite 15,000 Mark und mehr berappen muß. Zu sehen sind Vorstudien, Titelblätter und Barks Schreibtisch. Am hübschesten aber für echte Fans: der Stammbaum, der weit zurückreicht bis in die Tage vor Sir Dusseltrutz und Sir Dümpelfried McDuck und die Gesamtdarstellung Entenhausens, einschließlich des verslumten Vororts Kummersdorf. Ja, auch in Entenhausen steht nicht alles zum besten oder wir Onkel Dagobert es auszudrücken beliebte: “Feingold ist besser als kein Gold”.